Folk im Hof verzauberte am Samstagabend die Besucher an der Alten Feuerwache in Hennigsdorf. Bei irischen Klängen genossen fast 200 Besucher den lauen Sommerabend.

Punkt 18 Uhr legt die Fiedel los, Cello, Banjo, Gitarre und das traditionelle Schlaginstrument Bodhrán stimmen ein, da nehmen plötzlich auch die Kirchenglocken des Gotteshauses neben dem Hennigsdorfer Rathaus ihre Arbeit auf und läuten lang und ausdauernd den Samstagabend ein. So ein pünktlicher Konzertbeginn kann durchaus seine Tücken haben.

Die Musiker von St. Sláinte lassen sich jedoch nicht beirren und halten mit ihren Folkklängen gegen. Wenig später gehört der Innenhof an der Alten Feuerwache dem Sextett dann auch ganz uneingeschränkt. Zum dritten Mal spielt die Combo, das 2008 als Schülerband am Louise-Henriette-Gymnasium in Oranienburg entstand, seit 2011 in der jetzigen Besetzung aufspielt und seinen Bandnamen mit „Auf die Freundschaft“ übersetzt, bei „Folk im Hof“ auf. Schon bei der Erstauflage 2012 war St. Sláinte dabei. „Wir freuen uns jedes Mal, wenn die Anfrage für diesen Abend kommt“, verrät Eric Drescher. Der 28-Jährige, der das Bodhrán spielt und auf der Bühne den Takt vorgibt, gehört ebenso wie Matthias Drochner (28) zu den Band-Gründungsmitgliedern. „Wir betreiben das Ganze als Hobby“, berichtet Drochner. „Geprobt wird am Wochenende.“ Dann alle sechs Bandmitglieder unter einen Hut zu bekommen sei nicht immer einfach, denn „wir kommen langsam in einer Lebensphase an, in der viel passiert und viele andere Verpflichtungen anstehen, beruflich, familär und privat.“

Aus diesem Grund suchen sich St. Sláinte die Veranstaltungen genau aus, bei denen sie auftreten können. Und wollen. Nach Hennigsdorf kommen sie stets besonders gern. Auch, weil es praktisch ein Heimspiel ist. „Die Besucher sind hier, weil sie die Musik mögen, gehen mit. Das Ambiente stimmt, die Location ist toll. Es ist einfach ein rundum gelungener Abend“, findet Eric Drescher.

Anderthalb Stunden spielen St. Sláinte an diesem Abend auf und bringen die Zuhörer in Stimmung. Auf die Ohren gibt es Klassiker des irischen Folks ebenso wie rockigere Stücke. Als Zugabe folgt der eigentliche Rausschmeißer, in dem auch mächtig geflucht wird. „Fühlen Sie sich davon aber nicht rausgeschmissen, sondern bitte bleiben Sie und erleben mit uns auch den Auftritt von Murphy’s Law“, ruft Eric Drescher dem Publikum zu. Längst sind die gut 180 Besucher in Folkfeststimmung, klatschen und wippen mit, die ersten Mutigen schwingen das Tanzbein.

Ebenso pünktlich wie St. Sláinte betritt um 20 Uhr „Murphy`s Law“ die Bühne. Zeit zum Warmwerden benötigt das Trio nicht – die Zuhörer sowieso nicht. Die Berliner, die zu den gefragtesten Folkbands der Hauptstadt zählen, legen mit ihrem kraftvollem Sound los und haben das Publikum sofort auf ihrer Seite. „Es ist wunderschön hier“, ruft Danny O’Connor immer wieder. „Man kann die Grillen singen hören und die Natur riechen. Es ist toll bei euch“, plaudert er, und wickelt die Besucher auch mit seinem irischen Akzent locker um den Finger.

Das ist der Moment, in dem auch Andrea Stadtaus tief durchatmet. Als Eventmanagerin der Stadt Hennigsdorf hat sie den Folkabend bereits zum siebten Mal auf die Beine gestellt. „Wir haben damals gemerkt, dass es in Hennigsdorf ein Publikum für diese Musik gibt“, erinnert sie sich zurück. Für das Programm überlege sie sich jedes Jahr etwas Neues, was nicht heißt, dass besonders gefragte Musiker nicht wiederkommen. St. Sláinte sind das beste Beispiel. „Ich kenne sie noch als Schülerband und war schon damals begeistert von ihnen“, erinnert sich Andrea Stadtaus, „dieses Jahr waren sie mal wieder dran“.

Nachdem im Vorjahr der Folkabend kurz vor dem Abbruch stand – Wassermassen schütteten sich über dem Hof an der Alten Feuerwache aus – passt an diesem Samstag alles. Das finden auch die Gäste, die nicht nur aus Hennigsdorf, sondern auch dem Umland kommen. Bei strahlend blauem Himmel verbringen sie einen lauen Sommerabend bei mitreißender Live-Musik, kulinarischer Versorgung ohne langes Schlange stehen und dem ein oder anderen kühlen Bier. „Folk im Hof“ hat sich in den vergangenen sieben Jahren fest im Veranstaltungskalender der Stadt etabliert. Auch deshalb wird es 2019 die achte Auflage des Musikspektakels geben, wie Andrea Althaus bereits verrät.

Von Nadine Bieneck

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